Was heisst eigentlich In sha' Allah
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Quelle: NZZaS, 29.10.2006

«In sha' Allah» ist die am meisten gebrauchte arabische Redewendung. Auch der Tourist nimmt sie wahr, sobald er arabischen Boden betritt. Auffallen wird ihm der deutliche Stimmabsatz vor «Allah».

Die Redewendung besteht aus drei Wörtern; «in» bedeutet «wenn», «sha'» bedeutet «will» und «Allah» heisst «Gott», also zusammen: «Wenn Gott will». In der Literatur wird sie ein bisschen aufgepeppt und mit «So Gott will» übersetzt.

Der Westler zieht die Wörter zusammen, sagt «inschallah» und drückt willentlich oder unbewusst sein Missfallen über den Satz aus, der in seinen Augen eher «vielleicht» oder «mal sehen» bedeutet. Das meint «in sha' Allah» allerdings nicht; mit dem Vorsatz des Menschen hat die Redewendung nichts zu tun. Vielmehr will sie sagen, dass das Wollen des Menschen dem Willen Gottes untergeordnet ist. Der Mensch kann und muss sich anstrengen, doch wenn Gott etwas anderes vorhat, wird eben dies passieren.

Die Redewendung passt deshalb wunderbar zum Islam. Gottergebenheit ist sein wichtigstes Element; weiter glauben Muslime, dass die Wege Gottes unergründlich, aber bestimmt gut sind. Sie zeigt auch die Demut vor Gott auf und wird deshalb nach jeder Absicht verwendet: «Ich sehe dich morgen, in sha' Allah.»

Auch arabische Christen benutzen die Floskel; schliesslich sind sie ebenso fromm wie die Muslime und erkennen mit denselben Worten Gottes Allmachtsanspruch an. Der Fundamentalismus hat allerdings auch die arabischen Christen fest im Griff. Heute grenzen sie sich vermehrt von den Muslimen ab und vermeiden scheinbar islamische Redewendungen.

Kristina Bergmann, NZZ am Sonntag, 29.10.2006